ChatGPT Ads in Deutschland
Ich habe mir den Ads Manager an einem Tag komplett angesehen, eine Kampagne aufgesetzt, das Tracking implementiert und die ersten 24 Stunden Daten mitgenommen. Was dabei herausgekommen ist, steht hier: die Fakten zum Start, meine ersten Zahlen, die Grenzen des Kanals und ein Abschnitt zum Tracking, der ehrlicher ausfällt, als es dem Anbieter lieb sein dürfte.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Live seit 24. August 2026 in Deutschland und 30 weiteren europäischen Märkten. Self-Service über den Ads Manager seit dem 31. August.
- Reichweite: Anzeigen sehen ausschließlich Nutzer:innen der Free- und Go-Tarife. Plus, Pro und Business bleiben werbefrei, Minderjährige ebenfalls.
- Einstieg: ab 15 EUR Tagesbudget, ein kostenloser Account reicht, Kampagnenziele sind Impressions, Klicks oder Conversions.
- Aussteuerung: im EWR zum Start keine personalisierten Anzeigen. Gesteuert wird über Land/Region und den Gesprächskontext. Kein klassisches Targeting, keine Themen- oder Placement-Ausschlüsse.
- Meine ersten Zahlen: CTR um 1,9 Prozent, CPC unter 1 EUR, CPM zwischen LinkedIn- und Meta-Niveau. Conversions nach 24 Stunden auf Mindestbudget: keine.
- Verboten: Gesundheitsdienstleistungen außerhalb der USA, Rechts- und Finanzdienstleistungen außerhalb der USA, einzelne Stellenanzeigen, Glücksspiel, politische Inhalte und einiges mehr. Erlaubt ist zum Start ein schmaler Consumer-Korridor.
- Tracking: Pixel und Conversions API existieren und funktionieren, folgen aber einer eigenen Event-Taxonomie und eigenen Normalisierungsregeln. Ein Copy-Paste aus dem Meta- oder Google-Setup geht schief.
Was seit dem 24. August tatsächlich läuft
Das Anzeigenformat ist recht unspektakulär. Anzeigen erscheinen als klar gekennzeichnete Karte unterhalb der Antwort, sie beeinflussen die Antwort nicht und sie drängen sich nicht auf. Wer Werbung im Assistenten für eine Zumutung hielt, wird beim ersten Kontakt eher überrascht sein, wie zurückhaltend das gelöst ist.
Der Ads Manager ist aufgeräumt und in zwanzig Minuten verstanden. Mehrere Projekte lassen sich über einen Account verwalten, die Kampagnenstruktur folgt dem bekannten Muster aus Kampagne, Anzeigengruppe und Anzeige. Das Mindest-Tagesbudget liegt bei 15 EUR, was den Kanal auch für kleinere Testbudgets öffnet.
Interessanter ist, was fehlt. Targeting im klassischen Sinn gibt es nicht, nur geografische Eingrenzung und Kontexthinweise. Ausschlusslisten für Themen oder Platzierungen, wie sie jeder Mediaplaner aus Google, Meta und den etablierten Displaynetzwerken kennt, vermisse ich im Ads Manager derzeit noch. Und das Reporting arbeitet mit rudimentären Kennzahlen, ohne jede Information darüber, wen man erreicht hat.
Die Reichweitenfrage entscheidet sich an einem einzigen Satz aus dem Hilfebereich: Anzeigen laufen nur bei Free- und Go-Nutzer:innen. Wer beruflich mit ChatGPT arbeitet, zahlt in aller Regel dafür und bleibt werbefrei. Für B2B-Anbieter ist das eine entscheidende Information vor einer Budgetfreigabe.
Meine ersten Zahlen nach 24 Stunden
Zwei Anzeigen, Mindestbudget, ein Tag Laufzeit. Das ist keine Statistik, aber es ist mehr als das, was gerade an Schätzungen kursiert.
Die Click-Through-Rate lag mit 1,90 und 1,83 Prozent deutlich über meiner Erwartung. Die Variante mit einem Foto von mir performte etwa doppelt so gut wie die Alternative. Der Klickpreis lag bei 0,92 respektive 0,67 EUR und damit unter dem, was inhaltlich vergleichbare Google-Ads-Kampagnen kosten. Der CPM bewegte sich mit 12 bis 18 EUR irgendwo zwischen LinkedIn- und Meta-Niveau.
Die entscheidende Frage, ob diese Klicks auch Leads oder Verkäufe bringen, ist nach 24 Stunden auf Mindestbudget seriös nicht zu beantworten. Bisher: nein. Wer nach einem Tag anderes behauptet, verkauft etwas.
Was die Zahlen andeuten: Der Kanal ist billig, weil er neu ist und weil kaum jemand darin bietet. Dieses Fenster schließt sich, wie es sich in jedem neuen Werbenetzwerk geschlossen hat.
Die Werberichtlinien, oder: wer hier gar nicht erst anfangen muss
Bevor man über Kreation und Budget nachdenkt, lohnt ein Blick in die Ad Policies, zuletzt am 31. August aktualisiert. Zum Start ist der erlaubte Korridor schmal: Haushalts- und Konsumgüter, lokale Dienstleistungen, Reise und Unterhaltung, digitale Produkte und Bildung. Alles andere ist entweder gesperrt oder braucht eine manuelle Einzelfreigabe, die es überwiegend nur in den USA gibt.
Für eine unserer Kernbranchen ist die Lage eindeutig. Werbung für Gesundheitsdienstleistungen außerhalb der Vereinigten Staaten ist grundsätzlich untersagt. Dasselbe gilt für Rechts- und Finanzdienstleistungen. Consumer-Medizinprodukte, Wearables und Health-Apps stehen ausdrücklich auf der Liste der Kategorien, die es nur in den USA gibt, und auch dort nur nach Einzelprüfung. Eine DiGA bewirbt in Europa über diesen Weg also niemand.
Dazu kommt die Platzierungsseite: In Gesprächen zu persönlicher oder psychischer Gesundheit erscheinen ohnehin keine Anzeigen. Und weil einzelne Stellenanzeigen ebenfalls untersagt sind, fällt auch der zweitwahrscheinlichste Grund weg, aus dem eine Praxis oder ein MVZ hier buchen würde. Der Jurist und Legal Engineer Daniel Kleiboldt (kleibold.de) hat diese Konstellation in seinem Newsletter Caveat präzise auseinandergenommen: eine Marketingentscheidung, die sich von drei Seiten gleichzeitig erledigt.
Für Anbieter lohnt trotzdem ein zweiter Blick, denn die Sperre greift bei „health services". Betriebswirtschaftliche Software, die an Praxen verkauft wird, ist keine Gesundheitsdienstleistung. Ob ein Terminvergabe- oder Dokumentationsassistent darunter fällt, ist eine Auslegungsfrage, die OpenAI im Zweifel selbst beantwortet. Und wer plant, sollte einkalkulieren, dass die Richtlinien seit März mehrfach geändert wurden. Ein Regelwerk mit diesem Änderungstakt taugt schlecht als Planungsgrundlage für ein Jahresbudget.
Ein Punkt, bei dem jeder Healthcare Professional hellhörig werden sollte, bleibt auch dann bestehen, wenn die Kategorien irgendwann öffnen: Ohne Themen- und Placement-Ausschlüsse lässt sich nicht steuern, in welchem Gesprächskontext die Anzeige erscheint. Bei Google steht die Anzeige neben einer Trefferliste, die für alle gleich aussieht. In ChatGPT steht sie unter einem Text, den ein Modell für genau diese eine Person gerade erst formuliert hat. Bei HWG-relevanten Themen ist das ein Risiko, das man heute weder messen noch begrenzen kann.
Tracking: Pixel und Conversions API und warum das nicht mal eben schnell erledigt ist
Die Event Taxonomie ist eine eigene
Die Datenstrukturen unterscheiden sich pro Event
Die Attribution hat zwei eigene Identifier
Die Deduplizierung ist scharf, aber unverzeihlich
Und dann die Details, die einen Freitagabend kosten
Praktisch heißt das: Der Pixel geht über Custom HTML im GTM plus Tag-Sequencing, für serverseitiges Tracking gibt es inzwischen Community-Templates für den sGTM. Und die Consent-Frage bleibt dieselbe wie bei jedem anderen Netzwerk, das heißt Einbindung in die CMP, saubere Trigger und Stopp der obref-Weitergabe bei Widerruf.
Ein Nachtrag zum Reporting: Click-Through- und View-Through-Conversions werden getrennt ausgewiesen. Das View-Through-Fenster liegt fest bei einem Tag, und diese Conversions sind in der Kennzahl „Conversions" nicht enthalten. Wer beide Zahlen addiert, ohne das zu wissen, berichtet zu gut.
Hinweis: OpenAI hat am 03. September 2026 angekündigt, dass eine Kampagnenausrichtung auf View-Through-Conversion ebenfalls in Planung ist. Somit zählen dann nicht nur die Conversions, die nach einem Klick passierten, sondern auch die, die Anzeige zuvor gesehen hatten. Das Abrechnungsmodell läuft dann auf Imrpessions. Einer guter Mix für alle die Reichweite mit Conversions kombinieren möchten.
Für wen sich ein Test jetzt lohnt
Testen würde ich, wenn Sie: E-Commerce mit klar erlaubten Konsumgütern betreiben, digitale Produkte, Kurse oder Software an Endkund:innen verkaufen, im Reise- oder Freizeitbereich unterwegs sind, oder lokale Dienstleistungen anbieten, die nicht unter Gesundheit, Recht oder Finanzen fallen. Bei 15 EUR Tagesbudget kostet ein aussagekräftiger Test vier bis sechs Wochen und einen niedrigen dreistelligen Betrag. Der Erkenntnisgewinn ist das wert, solange die Klickpreise so niedrig sind.
In den Marketing-Mix aufnehmen würde ich es, wenn: der Test nach vier bis sechs Wochen mit sauberem Conversion-Tracking eine tragfähige CPA zeigt, Ihre Zielgruppe erkennbar im Free- und Go-Segment sitzt, und Sie Budget haben, das Sie nicht aus Search abziehen müssen. ChatGPT Ads ersetzt keine Suchkampagne. Es ist ein Discovery-Kanal mit Kontextbezug, kein Intent-Kanal.
Die Finger lassen würde ich, wenn: Sie Praxis, MVZ oder Klinik sind, Sie Rechts- oder Finanzdienstleistungen anbieten, Sie eine DiGA oder ein Medizinprodukt an Endnutzer:innen bewerben wollen, oder Ihre Entscheider ausschließlich in bezahlten Tarifen sitzen. Für Praxissoftware-Anbieter gilt der bittere Sonderfall: Die Menschen, die Sie erreichen wollen, sehen den Kanal gerade deshalb nicht, weil sie beruflich mit dem Werkzeug arbeiten.
Unabhängig davon relevant für alle im Healthcare-Umfeld: Die EU-Kommission hat ChatGPT Ende August als sehr große Online-Suchmaschine unter dem Digital Services Act benannt. Damit kommt bis Januar 2027 ein öffentliches Werbearchiv, in dem Anzeigeninhalt, Auftraggeber, Zeitraum und Reichweite nachschlagbar sind. Bei Google und Meta gibt es das längst. Es verschiebt nur den Zeitpunkt nach vorn, zu dem Sie Ihre Werbeaussagen prüfen sollten.
Sie haben noch Fragen?
Gemeinsam finden wir heraus, ob ChatGPT Ads für Sie einen Test wert sind: Wir prüfen, ob Ihre Kategorie in den Werberichtlinien erlaubt ist, ob Ihre Zielgruppe im Free- und Go-Segment sitzt und wie sich ein sauberes Conversion-Tracking mit Pixel und Conversions API realistisch aufsetzen lässt. In einem unverbindlichen Gespräch zeigen wir Ihnen, wo die größten Hebel liegen und wo Sie sich das Budget lieber sparen. Nehmen Sie dazu einfach Kontakt mit uns auf.
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